Was passiert eigentlich, wenn Griechenland so richtig pleite ist?

Was hätte das denn für Konsequenzen? Gibt es Griechenland dann nicht mehr?
Kann ich Griechenland dann kaufen?

nicole meint:

sie bekommen von uns geld

Erstens muss man definieren, was "pleite" eigentlich meint: Wenn ein Schuldner (der auch ein Staat sein kann) seine Verbindlichkeiten nicht mehr zurückzahlen kann. Im Gegensatz zu einer natürlichen Person allerdings kann der Staat sich stets neue Einnahmen verschaffen, indem er seine Bürger besteuert. Damit kann ein Staat theoretisch betrachtet eigentlich nicht pleite gehen, jedenfalls solange er sich nur im Inland, d.h. bei seinen eigenen Bürgern verschuldet. Der Staat leiht sich bei seinen Bürgern Geld (macht Schulden), erhöht dann die Steuern und zahlt mit Hilfe dieser Steuern seine Schulden zurück. Das funktioniert allerdings nur dann, wenn der Staat sich im Inland verschuldet, in eigener Währung. (alternativ kann der Staat auch die Inflation erhöhen und seine Schulden auf diesem Weg beseitigen)
 
Anders hingegen ist das, wenn sich der Staat das Geld im Ausland, in Fremdwährung verschuldet - jetzt muss er im Ausland Devisen erwirtschaften, um die Schulden an das Ausland zurück zu zahlen. Dies ist nur möglich, indem er Güter ins Ausland exportiert und für diese Güter Devisen bekommt. Kann er auf diesem Weg nicht genügend Devisen erwirtschaften, um seine Auslandsverpflichtungen zurück zu zahlen, dann ist er was seine Außenschulden angeht, pleite.
 
Jetzt gibt es verschiedene Lösungsmöglichkeiten:
 
Nummer eins: Das Land wertet ab. Dadurch werden seine Exporte für das Ausland billiger, man kann mehr exportieren und dadurch mehr Devisen erwirtschaften. Das wird oft als gute Lösung genannt, hat aber ein Problem: Wenn das Land die Auslandsschulden in Fremdwährung aufgenommen hat, steigt der Schuldenberg in inländischer Währung gemessen. Ein Beispiel: Sie schulden dem Ausland beim Wechselkurs von 1 : 1 (eine Drachme für einen Dollar) eine Million Dollar. Jetzt wertet ihre Währung ab, für einen Dollar müssen Sie nun nicht mehr eine Drachme, sondern zwei Drachmen zahlen. Somit steigt ihr Schuldenberg in Inlandswährung von einer Million Drachmen auf zwei Millionen Drachmen). Da aber Griechenland Mitglied der europäischen Währungsunion ist, steht dem Land diese Option nicht mehr zur Verfügung.
 
Nummer zwei: Mehr Steuern oder mehr Inflation zur Beseitigung der Schulden - das geht im Falle Griechenland auch nicht, da man damit erstens nur die inländische Verschuldung beseitigen kann (siehe oben) und Griechenland zweitens nicht Herr der Geldpolitik ist - die liegt bei der EZB.
 
Nummer drei: Man kürzt - zumeist in Verhandlungen mit Gläubigern - die Summen, die man zurück zahlt. Man einigt sich beispielsweise mit den Gläubigern auf eine Rückzahlungsquote von 30 Prozent, d.h. von 100 Euro Staatsschulden an das Ausland werden nur 30 Euro zurückgezahlt. Das ist ein de facto-Staatsbankrott, der in der Realität häufiger vorkommt, als man denkt. Das ist ein Staatsbankrott. Diese Lösung ist transparent und sorgt dafür, dass diejenigen, die dem Land Geld geliehen haben, und dafür auch entsprechend Zinsen bekommen haben (in denen eine Risikoprämie dirn ist, die genau für solche Fälle gezahlt wird), auch die Kosten des Bankrotts tragen müssen. Für das Land allerdings bedeutet diese Lösung, dass es noch mehr Probleme bekommt, weitere Schulden im Ausland zu machen - wer pleite ist, bekommt an den internationalen Kapitalmärkten kaum Geld, oder wenn, zu enormen Zinsen.
 
Nummer vier: Das Land ruft internationale Institutionen - den IWF, im Falle Griechenlands die EU - zu Hilfe, bekommt von diesen Kredite, um seine Verbindlichkeiten zu begleichen unter dem Versprechen, dass man seinen Haushalt wieder in Ordnung bringt und entsprechende Sparmaßnahmen einleitet. Diese Lösung hat zwei Probleme: Erstens wird diese Einmischung von Außen von den Bürgern des Landes als Einmischung empfunden, die Akzeptanz dieser Maßnahmen ist oftmals gering. Zweitens werden durch diese Maßnahmen diejenigen, die dem Land Geld zu entsprechend hohen Zinsen gezahlt haben, belohnt: Sie bekommen die hohen Zinsen, die das Land zahlt, weil es als Wackelkandidat gilt, doch sie tragen nicht das Risiko, dass diese Kredite ausfallen, das trägt dann letztlich der Steuerzahler. Ergebnis: Hohe Anreize, dem Land weiter Geld zu leihen, in der Hoffnung, weiter hohe Zinsen ohne Risiko zu bekommen.
 
Nummer fünf ist eher unrealistisch: Das Land verkauft nationale Vermögenswerte, um damit seine Schulden zu begleichen - das wären beispielsweise die vielzitierten Inseln, die man gegen Devisen kauft. Theoretisch machbar, politisch wohl unrealistisch.
 
Im Ergebnis sehen wir, dass das Land nicht untergehen wird, weil es entweder sich Mittel zu Hause beschaffen wird oder von der internationalen Gemeinschaft bekommen wird. Allerdings kann es passieren, dass im Zuge der Sanierung - egal ob über Steuern, Inflation oder von außen angetragene Sparprogramme - die politische Akzeptanz der herrschenden Regierung so sehr leidet, dass es zu sozialen Unruhen kommt, schlimmstenfalls zu einer Millitärdiktatur oder einer Zerreissprobe für das Land. Das ist allerdings die ganz pessimistische Perspektive.