Sind Zebras weiß mit schwarzen Streifen oder schwarz mit weißen Streifen?

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Die Antwort auf diese Frage ist eigentlich nur teilweise zoologisch zu beantworten. Denn sie hat vor allem mit unserer Wahrnehmung und unserem Sprachgebrauch zu tun. So heißt „weiß mit schwarzen Streifen“ bzw. „Schwarz auf Weiß“ für uns Menschen gewohnheitsgemäß, dass die größere Fläche oder Grundfläche weiß ist und etwas in Schwarz z.B. darüber gemalt oder geschrieben wird. Wie bei schwarzen Buchstaben oder Strichen auf weißem Papier. Bei „Weiß auf Schwarz“ oder „schwarz mit weißen Streifen“ ist es somit genau umgekehrt.


Bei Zebras ist das nun aber etwas anders, denn sie wurden vom lieben Gott ja nicht angemalt. Allerdings haben sie unter ihren weißen und schwarzen Haaren eine schwarze Haut. Theoretisch könnte man das als „Grundfarbe“ bezeichnen, da die Haare auf diesem schwarzen (Haut-)Grund wachsen. Dann wäre "Weiß auf Schwarz" bzw. „schwarz mit weißen Streifen“ quasi richtig.

 

Aber eigentlich stimmt das auch wieder nicht, denn es müsste dann ganz korrekt "Schwarz und Weiß auf Schwarz" oder schwarz mit weißen und schwarzen Streifen heißen, denn die schwarzen und weißen Haare wachsen ja beide auf der schwarzen Haut und bilden gemeinsam das sichtbare Streifenmuster. Nach unserer Definition oben neigen wir jedoch dazu, auch Zebras als weiß mit schwarzen Streifen zu bezeichnen, wenn der gesichtete Weißanteil im Fell größer erscheint. Und umgekehrt. Meist dominieren in der Tat aber die weißen Flächen im Zebrafell. (Ein Eisbär hat übrigens auch schwarze Haut. Aber keiner sagt, er sei weiß auf schwarz gefärbt)



Warum sind Zebras überhaupt gestreift?
Das ist eine ganz andere Frage. Es ist jedenfalls kein ungestreiftes „Ur-Zebra“ bekannt. Aber Zebras gehören wie Pferde und Esel zu den Equiden. Bei diesen sind Streifen an den Beinen ein ursprüngliches Merkmal, wie etwa bei Przewalski-Pferden oder bei Somali-Wildeseln noch gut zu sehen ist.

 

Dass Zebras die Streifen als einzige Equiden am ganzen Körper tragen, hat jedoch sicher seinen Grund in der Evolutionsgeschichte – irgendeinen Vorteil müssen sie bieten. Eine plausible Erklärung: Die Streifen dienen der Tarnung. Im flirrenden Steppenlicht und im Wechselspiel von Licht und Schatten der Steppe lösen sich in den Augen der Raubtiere – Hauptfeinde sind Löwen – die Konturen der Zebras auf, insbesondere wenn sie in der Herde zusammenstehen. Das Isolieren eines geeigneten Opfertieres fällt also bereits optisch schwer und das wirkt angriffshemmend.

Ein anderer nachgewiesener Grund: Da jedes Streifenmuster individuell ist wie ein Fingerabdruck, erkennen und unterscheiden sich die Tiere in einer Herde auch anhand der Streifen – zum Beispiel finden sich so Mutter und Kind selbst im größten Streifenwirrwarr der Herde wieder.

 

Einige Wissenschaftler haben zudem beobachtet, dass sich Tse-Tse-Fliegen weniger häufig auf gestreiften Flächen niederlassen, was den Zebras Schutz vor ihren Bissen bieten und sie damit vor der Übertragung der Schlafkrankheit schützen würde. Aber ob auch dieser beobachtete Umstand für die Entwicklung und Fortbestand der Streifen eine Rolle spielte? Wer weiß.