Wieso lässt sich ein Gurkenglas leichter öffnen, wenn ich vorher mit der Hand auf den Glasboden schlage?

Ferdi75 meint:
Wenn man scheinbar glatte Oberflächen unter dem Mikroskop betrachtet sieht man, dass die Oberflächen im mikroskopischen Maßstab ganz schön rau sind. Das sieht aus wie Berg und Tal. Das ist natürlich auch bei dem Glasrand und dem Deckel so. Diese „rutschen“ mit der Zeit, beispielsweise durch Stöße beim Transport, in eine „optimale Position“, sind also im mikroskopischen Maßstab miteinander verzahnt. Durch den Schlag auf den Boden hebt sich der Deckel etwas vom Glasrand und lässt sich dann leichter lösen.
Arminius weiß dazu:
Fast jeder hat es schon einmal ausprobiert und dabei festgestellt, dass sich Konservengläser nach einem kräftigen Schlag auf den Boden leichter öffnen lassen. Aber die Frage, wie das funktioniert ist gar nicht so einfach zu beantworten. In der „Zeit“-Serie „Stimmt's“ versuchen sich drei Experten an einer Erklärung.
Ein Drehverschluss Hersteller glaubt, durch den Schlag werde die mit dem Glas verklebte Gummidichtung des Deckels gelöst.
Eine weitere Erklärung geht davon aus, dass durch den Schlag der Deckel ein wenig nach außen gedrückt wird und so ein wenig Luft eindringen kann. Dadurch wird der Unterdruck im Glas etwas geringer – der Deckel wird nicht mehr so fest auf das Glas gedrückt und lässt sich leichter drehen.
Einen ganz anderen Ansatz verfolgt die dritte Erklärung. Ähnlich wie bei geschütteltem Mineralwasser, soll der Innendruck im Glas steigen, weil nach dem Schlag auf den Boden der in der Flüssigkeit gelöste Sauerstoff frei wird.
Aber wie dieser Effekt nun wirklich zustande kommt, kann niemand so ganz genau sagen. Möglicherweise ist es ja auch eine Kombination der Effekte.

http://www.zeit.de/1997/47/stimmt47.txt.19971114.xml?page=all