Warum sehen Weltkarten immer gleich aus?

Wenn Du jetzt spontan eine Weltkarte zeichnen solltest, wie sähe sie aus?! Klar, Europa in der nördlichen Mitte, Amerika links, Australien unten rechts. Aber warum eigentlich?

Warum ist auf Weltkarten Europa immer oben und Afrika oder Australien unten? Warum ist die gängige Abbildung nicht um 180° gedreht?  Bei der Abbildung der Welt ist der Äquator waagrecht. Warum wurde die Abbildung nicht um 90° gedreht, dass der Äquator in der Horizontalen und Europa links und Afrika rechts ist? Wer legt das eigentlich fest und gibt es vielleicht auch andere geheime Karten, die im egozentrischen Europa nur verboten sind?!

Katasta-Amt Timbuktu meint:
Es ist immer wieder erstaunlich wie man zum Experten werden kann. Eine sehr verbreitete Art und Weise (wie auch in der Politik häufig zu beobachten) ist folgende: Man hat irgendwo Wissen aufgeschnappt. Verinnerlicht dieses Wissen und versucht es, bei der sich nächst besten bietenden Gelegenheit dieses Wissen heraus zu posaunen. Und das am besten so, dass möglichst viele es mit bekommen und nachher aus dem Schulterklopfen nicht mehr heraus kommen. Der Expertenrat ist nicht falsch - wäre aber bestenfalls die Antwort auf die Frage: "Warum sind manche Gegebenheiten der Oberfläche einer Kugel anders beschaffen als die eines Blattes?". Dass zweidimensionale Darstellungen eines dreidimensionalen Erdballs Verzerrungen und Maßstabsuntreuen enthalten weiß jeder, der in Erdkunde ein wenig aufgepasst hat. Die Antwort bezieht sich nicht auf die Fragen "Warum ist die gängige Abbildung nicht um 180° gedreht?", "Warum wurde die Abbildung nicht um 90° gedreht,...?" und "Wer legt das eigentlich fest und gibt es vielleicht auch andere geheime Karten...?". Alle Weltkarten sehen nicht gleich aus! Die Völker, die eine eigene Kartographie entwickelt haben (bzw. das Modell übernommen haben und eigene Ideen beigesteuert haben), haben zumeist ihr Land oder ihre Umgebung sehr zentral dargestellt. So ist die Weltkarte in den Nachrichten Amerikas häufig so aufgebaut, dass die Nordamerika in etwa in der Mitte liegt. Wie das allerdings in Australien aussieht wüsste ich leider nur zu gerne. Auch auf die Frage ob, und wenn nicht, warum nicht, Karten existieren die um 180° gedreht sind weiß ich keine sichere Antwort. Nur für "unsere" Weltkarte kann ich sagen - das war Herr Kremer (Mercator) "schuld". Nichts für Ungut...
Fred meint:
...und zwar die mit der Weltkarte: Nein, es sehen nicht alle Weltkarten gleich aus. Die, die ich mal gezeichnet habe, sah zum Beispiel ganz anders aus als die in meinem Atlas. Seitdem weiß ich um meinen Nachholbedarf in Geographie, aber die Frage, sofern es sich um eine geschlossene (und spitzfindige) Frage handeln sollte, wäre allein auf Grund meines misslungenen Zeichenversuches mit "nein" zu beantworten.
stsz meint:
Die meisten Weltkarten werden an Meridian 0 zentriert. Das ist nun mal das Observatorium in Greenwich, GB. Der Grund ist einfach das zur Zeit der Festlegung des Null-Breitengrades Großbritannien DIE Weltmacht und führend in der Entdeckung war.
Ludwig meint:
Es wurde eine uralte arabische Karte gefunden über den Mittelmeerraum, die war für uns auf dem Kopf, also Nord unten und Süd oben, ansonsten absolut korrekt. Die Karte mit Europa ist einfach zusammenhängender, da so der Pazifik nicht dargestellt werden muss. Wer einen Globus mal gesehen hat, wird feststellen, das das viel blaue Farbe braucht ;-)
Mike meint:
Das mit der Ausrichtung der Weltkarte stammt aus den Zeiten als Europa sich für das Maß aller Dinge gehalten hat, wie zB bei der Kolonialisierung. Das "wichtige" Europa in der Mitte, die unwichtigen, unterdrückten Staaten halt darum herum. Australien zB war ja damals nichts anderes als eine Strafkolonie. Angeblich gab es in der arabischen Kultur Karten, bei denen der Osten oben war (vielleicht wegen den Gebetsvorschriften - Richtung Mekka) - jedenfalls sagt man, dass das Wort "Orientierung" davon abgeleitet ist.Außerdem ist das nur in Europa so. Ich war letzten September in China, da gibt es Weltkarten, in denen China eben in der Mitte liegt
Michael meint:
Hat nur den einen Grund, das die Europäer diese Karten gemacht haben, und sich immer schon für etwas besseres gehalten haben und sich deswegen auf der Weltkarte nach oben gesetzt haben (was aber auch praktisch war, weil die Welt der Europäer von Norden nach Süden entdeckt wurde). In Australien gibt's es aber auch Karten auf denen es genau umgekehrt ist.
ICH meint:
Weltkarten zeigen das Ausgangsland immer in der Kartenmitte. Wenn man sich in Australien befinden würde, würde die Weltkarte anders aufgebaut sein, nämlich Australien dort, wo auf einer europäischen Karte Europa zu finden ist. Die Schiefe der Ekliptik (Achsenschrägstellung und somit Schräge des Äquators) wird dabei zur Vereinfachung ausgelassen.
Robert meint:
Weil der Äquator die Trennung zwischen "nördlicher" und "südlicher" Halbkugel bildet. Und da Norden nun mal oben ist, ist das nun mal so. (Hier stellt sich allerdings die Frage, warum Norden immer oben ist...)
Wolfgang meint:
Weil man sonst die Beschriftung nicht lesen könnte ! ;) harhar
stoned meint:
Die ersten Weltkarten stammen aus Europa, daher spiegeln heute noch die meisten Weltkarten den "westlichen" Blick auf die Welt wieder. Bei der Abbildung der Welt ist der Äquator waagrecht. Warum wurde die Abbildung nicht um 90° gedreht, dass der Äquator in der Horizontalen und Europa links und Afrika rechts ist? Der Kreisel würde ja sonst umkippen! Wenn man die Drehung der Erde betrachtet wirkt es einfach logischer den Äquator waagrecht abzubilden.
Marcus meint:
Also ich würde sagen, es hat etwas damit zu tun, wie die Welt entdeckt wurde. Wenn ich nicht irre wurden die ersten Weltkarten auf der Nördlichen Halbkugel entwickelt. Und Australien wurde ja ziemlich spät entdeckt, deswegen hat man es wahrscheinlich einfach unten dran gesetzt!
Kate meint:
Europa ist auf Weltkarten immer oben, weil auf dem echten Erdball Europa auch immer oben ist. Die Erdachse neigt sich zwar in den verschiedenen Jahreszeiten, aber sie dreht sich ja nicht vollständig um 180° Deswegen heißt es ja auch Nordpol, weil der nach Norden zeigt und den Südpol halt nach Süden.
katharina meint:
Weltkarten orientieren sich an den Himmelsrichtungen. Und da man sich nun einmal geeinigt hat dass Norden auf allen Karten oben ist, ist es eben so. Das liegt daran, dass die gängige Weltkarte von Einwohnern der westlichen Zivilisation erstellt wurde und somit deren Länder ins Zentrum gestellt wurden. traurig, aber wahr...
Loie meint:
Bei der Abbildung der Welt ist der Äquator waagrecht. Warum wurde die Abbildung nicht um 90° gedreht, dass der Äquator in der Horizontalen und Europa links und Afrika rechts ist?<< Einfach antropisches Prinzip: Würden wir in einer Welt wohnen, in der genau das zuträfe, dann würden wir uns fragen, wieso wir gerade in einer solchen Welt leben. Also: Es ist einfach so, macht keinen Sinn zu fragen. Warum aber Nordpol oben ist, nun ja durch Polarstern und Kompass hatte man hat eine feste Himmelsrichtung. Und die musste man festlegen. Und weil die Ausrichtung Norden = oben sinnvoll ist (wenn man z.B auf die Erde aus der Ebene schaut, auf der sie die Sonne umkreist), hat man das so gemacht. Damit ergaben sich die anderen Himmelsrichtungen von alleine.
FoA - Team weiß dazu:
Bei www.g-o.de kann man lesen

"Jede Karte, die heute benutzt wird, enthält Verzerrungen, weist Fehler auf. Die sehr verbreitete Karte von Gerhard Kremer ("Mercator") aus dem 16. Jahrhundert stellt laut Kritikern beispielsweise Europa in den Mittelpunkt. Sie spiegele damit "koloniales Denken" wieder. Der Historiker Arno Peters hat zwar eine neue Projektion entworfen, die das Nord-Süd-Verhältnis ausgewogener wieder gibt, in Fachkreisen bleibt sie jedoch umstritten.(...) Karten prägen unser Bild der Welt. Aber nie bilden sie die Erde vollkommen wirklichkeitsgetreu ab. Das ist unmöglich. Denn die Oberfläche eine Kugel lässt sich nicht auf der Fläche wiedergeben. Das korrekteste Bild der Erde, mit allen Kontinenten und Meeren in ihrer originalgetreuen Form und Größe, liefert allein der Globus. Jede Karte, jede Projektion auf eine Ebene enthält Verzerrungen: Es stimmt entweder die Größe der Kontinente nicht, die Form, die Entfernungen oder die geographischen Beziehungen.

Es ist wie mit einer Orange: Schält man sie und versucht dann, ihre Schale flach hinzulegen, muss man diese an einigen Stellen zusammenstauchen oder dehnen. Zum Standardrepertoire der Kartographen zählen heute mindestens 50 verschiedene Projektionen und Entwurfsmöglichkeiten, die Erdoberfläche darzustellen. Je nach Größe des Maßstabs und Zweck der Karte wird eine andere verwendet. Vollkommen richtig ist keine."

(Bild: University of Wisconsin)

In der Mercator-Projektion bleiben zwar die Winkel zwischen den Breiten- und Längengraden als rechte Winkel erhalten, die Form der Kontinente ist aber verzerrt. Sie werden um so länger dargestellt, je näher sie in Polnähe liegen. (...) Die Verbreitung der Mercatorkarte aber hatte weitreichende Folgen, urteilte bereits in den 70er Jahren der Bremer Historiker Amo Peters. Die Projektion des Mercator, so sein Vorwurf, stellt Europa in den Mittelpunkt und spiegelt koloniales Denken wider, indem sie die Länder des Nordens überproportional groß und die Länder des Südens zu klein darstellt. So werde mit Hilfe einer Landkarte die Selbstüberschätzung der Europäer verewigt und die "farbigen Völker werden im Bewusstsein ihrer Ohnmacht gehalten", erklärte Peters.
   

(Bild: University of Wisconsin)

Die 1974 entstandene Peters-Projektion erhält Größe und Proportionen der Kontinente. Ein Quadratzentimeter irgendwo auf einer Peterskarte entspricht auch einer einer entsprechenden quadratischen Fläche in der realen Welt. (Textauszüge zitiert von www.g-o.de - dort gibt es auch noch mehr Infos zu diesem Thema!)



Update: der Artikel findet sich jetzt in überarbeiteter Form hier: http://www.g-o.de/dossier-detail-282-11.html

 

Ein heißer Tipp von Oliver:

Mach Dir deine Weltkarte doch einfach selbst! Dann gibt´s solche Probleme gar nicht!
>>> www.lysator.liu.se/~johol/fwmg/fwmg.html
hier kann man seine eigene Welt konstruieren...

Warum nicht so?