Warum gibt es in Passagiermaschinen Schwimmwesten statt Fallschirmen?

Wer kennt das nicht, wenn er in den Urlaub fliegt?! Noch bevor die Maschine abgehoben hat, nehmen die Stewardessen ihren Platz und erklären das Anlegen der Schwimmwesten für den Fall einer Wasserlandung - wobei die Ausbildung dafür den Handbewegungen nach in einer Disco stattfindet. Das dabei nur die wenigsten aufmerksam zuschauen, haben inzwischen wohl auch die letzten Luftfahrtgesellschaften gemerkt, weshalb verstärkt Videos eingesetzt werden.

Ursache für das Desinteresse ist jedoch nicht die Darstellungsform, sondern der grundsätzliche Widerspruch, der in der Aufwendigen Erklärung der Schwimmwesten in einem Flugzeug liegt - schließlich wird auf einem Kreuzfahrtschiff ja auch nicht das Anlegen von Fallschirmen erklärt. Und da die meisten Passagiere beim Fliegen eher Angst vorm Absturz als vorm Ertrinken haben, fragen sich wohl nicht wenige, warum eigentlich nicht statt Schwimmwesten Fallschirme an Board sind.

Félix meint:
Es ist bei einem "Standard-Flug" sehr unwahrscheinlich, dass sich der Flieger in einer Höhe befindet, die für einen Absprung geeignet wäre. Normalerweise reisen Flugzeuge in 10.000 m Höhe bei 900 km/h - an einen Absprung ist bei dieser Höhe (kein Sauerstoff, extreme Minusgrade garantieren Schockfrostung) und bei dieser Geschwindigkeit nicht zu denken. Was kann bei der Reise schon passieren? Entweder gibt es eine Explosion, dann zerreißt es den Flieger (siehe Lockerbie) und die Leute fallen tot, teilweise noch angeschnallt vom Himmel. Keine Zeit, einen Fallschirm anzulegen. Bei jedem anderen Gebrechen ist zu hoffen, dass es zu einer Notwasserung kommt: daher Schwimmweste. Gibt es weit und breit keine Wasserfläche und es kommt zu einer Notlandung auf festem Grund und der Flieger bleibt heil, hat man großes Schwein gehabt. Es ist aber undenkbar aus einem "fallenden" Flieger 200 oder mehr Fluggäste mit "rechte Reißleine und alles Gute!" aus dem Tür zu schubsen. Ganz abgesehen von endlosen Gerichtsprozessen und Schadenersatzforderungen von Seiten der Angehörigen, wenn der eine oder andere Passagier dann doch nicht überlebt.
EspritLibre meint:
Also m.E. nach glücken die wenigsten aller Notwasserungen mit Passagiermaschinen, da die Maschinen von der Bauart nicht für Notwasserungen geeignet sind (zerbrechen beim aufsetzen bzw. überschlagen sich). Die Schwimmwesten sind demnach eigentlich nur Schnickschnack um den Passagieren einen falschen Sicherheitseindruck zu vermitteln und dienen wirklich mehr den "Rettungskräften" die zur Unglücksstelle eilen, als weithin sichtbares Signal (weil leuchtend Gelb). Ich fände es besser, wenn für den Fall der Fälle unter den Sitzen kleine Teddybären verstaut wären, die würden wenigstens noch Trost spenden !
Gerrit Winter meint:
Fallschirm vs. Schwimmweste: Ist denn in der Zeit der Großraumflugzeuge jemals eine Notwasserung durchgeführt worden und wenn ja: Gab es Überlebende?
nt0mjjrr001 meint:
Flugzeuge stürzen meistens als ganzes ab, bzw. notlanden außerhalb eines Flughafens. wenn das auf festem Boden passiert ist es kein Problem nach dem Verlassen des Flugzeugs wegzugehen. Schwieriger wird es bei einer Notwasserung (70% der Erdoberfläche sind Wasseroberfläche!) dort ist es ohne Schwimmweste schwieriger länger am Leben zu bleiben.
Thomas Runge meint:
Weil der Fallschirm bei einem Ausstieg bei knapp 1000 Km/h und minus 60 Grad Celsius auch nicht dafür sorgt, dass sämtliches Fleisch an den Knochen bleibt und man tiefgefroren wird. Dazu kommt, dass der Sauerstoffgehalt in der Höhe auch nicht unbedingt zur Lebenserhaltung beiträgt... und um den Kunden zu beruhigen gibt es wenigstens kostengünstige Schwimmwesten (schon mal davon gehört, dass jemand dadurch überlebt hat, dass er eine Schwimmweste hat? ;-) Aber psychologisch ungemein Beruhigend....
Tilo meint:
Das ist eine Frage wie: Warum gibt es im Auto Airbags und keinen Schleudersitz ? Die Antwort liegt doch auf der Hand. Aus keinem normalen Verkehrsflugzeug hat man die Möglichkeit abzuspringen. Und selbst wenn, würde Dich das Triebwerk in tausend Teile zerlegen oder Du würdest Ohnmächtig werden, anschließend ersaufen, auf dem Feld aufschlagen, im Baum landen und dir alle Knochen brechen oder sonst wie umständlich draufgehen, dann doch lieber abstürzen *lol*
Bjørn Siemers meint:
1.: Der Umgang mit Fallschirmen ist zu aufwendig, das Anlegen in Notsituationen zu zeitaufwendig. 2.: Eine Notwasserung ist wesentlich wahrscheinlicher, als dass man in etlichen tausend Metern Höhe und bei rasender Geschwindigkeit mit einem Fallschirm das Flugzeug verlassen könnte.
Marcel meint:
Ein Linienflugzeug fliegt eine wesentlich höhere Geschwindigkeit als ein "Fallschirmspringer"-Flugzeug. Wenn man nun in eine Notsituation kommt, würde man durch das öffnen der Türen in 10 km Höhe nicht nur Unterdruck im Flugzeug erzeugen, nein man würde auch jämmerlich erfrieren, mal ganz davon abgesehen, dass kaum Leute wirklich Fallschirmspringen können. Mit einer Schwimmweste kann allerdings fast jeder umgehen.
STeenys meint:
Ganz einfach! Die Flugzeuge fliegen so gut wie immer übers Wasser, da es ja 1. mehr Wasser gibt als Festland und 2. sind die Schwimmwesten auch kleiner. Wenn jeder einen Fallschirm tragen würde, wäre das viel zu umständlich und runter kommt man ja immer gell ;)
Anonymous meint:
Ach so, und dann springen aus einer Boeing 747 500 Leute und ein paar gequetschte (im Wahrsten Sinne des Wortes, dürfte ein bisschen voll an den Notausgängen werden ;-))gleichzeitig ab. Selbstverständlich hat jeder Fallschirmspringerfahrung oder vor dem Flug macht man eben noch einen Kurs...
Hapag-Lloyd weiß dazu:
Die Hapag-Lloyd antwortete freundlich und schnell: In unseren Flugzeugen gibt es Schwimmwesten anstatt von Fallschirmen, weil den Passagieren dadurch ein hohes Maß an Sicherheit gewährt werden kann. Die bisherigen Erfahrungen in der Fliegerei zeigten, dass es für die sichere Durchführung eines Fluges praktischer ist, Schwimmwesten anstatt Fallschirmen an Bord zu haben. Da ca. 80% aller Unfälle der Luftfahrt bei Start oder Landung geschehen, versucht man sich dahingehend einzurichten, d.h. hier sind Schwimmwesten sinnvoll, da es bekanntlich Flughäfen in der Nähe von Gewässern gibt. Jetzt noch einige banale Gründe: Fallschirme sind platzintensiver als Schwimmwesten. In eine unserer Boeing 737-800 passen 181 Passagiere, deren Schwimmweste unter dem Sitz Platz findet. Für 181 Fallschirme wäre wahrscheinlich ein Aufbau á la B747 nötig... Außerdem ist davon auszugehen, dass Passagiere eher schwimmen gehen als sich aus dem Flugzeug zu stürzen. Aber: diese Antwort bezieht sich auf die westliche Fliegerei der heutigen Zeit, ich möchte nicht ausschließen, dass man z. B. in Passagiermaschinen Papua-Neuguineas neben Schwimmwesten auch Fallschirme findet...

Na also hier liegt die Lösung ja nun wirklich auf der Hand...

Statt Handgepäck, einfach den eigenen Fallschirm mitnehmen! Den sollte man allerdings in einer unauffälligen Tasche verstauen, damit im Falle eines Absturzes kein Neid aufkommt, was Probleme mit sich bringen kann. Also... noch ein Nothämmerchen dazu einpacken und im Falle eines Falles unauffällig aus dem Toilettenfenster springen!