Warum kann man sich nicht selber kitzeln?

Wenn Lachen wirklich die beste Medizin ist, dann wäre es ja perfekt, wenn man sich selber kitzeln könnte...

" Die meisten uns haben irgendwo einen Punkt, an dem sie besonders kitzelig sind und den zu finden ist normalerweise nicht schwer. Für einige ist es über dem Knie, bei dem anderen ist es die Rückseite des Oberschenkels, und einige brechen in Gelächter aus, wenn jemand in ihrer Seiten greift. Lachen, wenn eine andere Person uns kitzelt ist eine natürliche Reaktion. (...) Wenn uns also jemand anderes kitzeln kann, warum können wir das nicht auch selber?" (zitiert von http://www.howstuffworks.com)

"... Hat da die Evolution vielleicht einen Riegel vorgeschoben, damit die nach Lust gierenden Lebewesen nicht in Onanie oder Selbststimulation wie jene Ratten im Labor enden, denen man die Möglichkeit eröffnet hatte, durch das Drücken einer Taste ihr Lustzentrum zu stimulieren und süße, schöne, einnebelnde Endorphine in ihrem Gehirn auszuschütten?" (zitiert von http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/glosse/2586/1.html)  
Prof. Dr. Spacke meint:
Weil das Hirn schon vorher weiß, welcher Nervenreiz gleich entstehen wird. Man ist nicht mehr von den Kitzelbewegungen überrascht, was ein wichtiger Faktor dafür ist.
Galandril meint:
Ich denke das liegt daran, dass die Nerven durch das Gehirn schon vorbereitet sind.
Renate meint:
Man ist nur an bestimmten Stellen kitzelig, z.B. unter den Achseln, diese Stellen sind so empfindlich da sie nicht durch Knochen oder anderes geschützt sind. Kitzelig sein ist glaube ich so etwas ähnliches wie eine Schutzreaktion des Körpers. Deshalb ist es auch nicht möglich sich selber zu kitzeln, da das keine wirkliche Gefahr darstellt und vom Körper selbst gesteuert wird.
Beagel meint:
Kann man doch! Man kommt nur nicht an viele Stellen so gut heran und es ist nicht so unerwartet und überraschend. Daher ist der psychische Effekt geringer.
Shauni meint:
Ich kann mich sehr wohl selber kitzeln. Meine Fußsohlen sind so empfindlich das es bei Fremdkitzeln einfach nur unangenehm ist. Wenn ich sie selber kitzle ist es gerade noch auszuhalten.. Mein Problem ist also eher das Gegenteil: Woran liegt es das man manchmal kitzelig ist und manchmal nicht? Und wieso können manche Menschen es ganz bewusst ausschalten?
Nicole Glahn meint:
Wenn man sich selber kitzelt, weiß man ganz genau, wo man gleich berührt wird. Daher kann der Körper sich schon darauf einstellen. Wenn man allerdings von jemand anders gekitzelt wird, kann man sich darauf nicht vorbereiten. Man weiß nicht, wo genau der Körper berührt wird. Und dieser "Überraschungseffekt" gehört zum Kitzeln dazu!
HowStuffWorks.com weiß dazu:
Bei www.HowStuffWorks.com lässt sich folgendes lesen (engl.): "Vieles ist noch nicht endgültig aufgeklärt, aber die Forschung hat gezeigt, dass das Gehirn zwischen Reizen der Umwelt und selbst hervorgerufenen Reizen unterscheiden kann, um wichtige von unwichtigen Informationen zu unterscheiden. z.B. lenken Sie vermutlich beim Sprechen nicht viel Aufmerksamkeit auf Ihre Zunge. Aus dem gleichen Grund können wir uns nicht selber kitzeln. Wenn wir uns selber zum Kitzeln in die Seite greifen, nimmt unser Gehirn diesen Kontakt mit den Händen vorweg und bereitet sich darauf vor. Indem er das Gefühl von Überraschung und Panik wegnimmt, reagiert der Körper nicht mehr auf dieselbe Art und Weise, wie er es tun würde, wenn jemand anderes uns kitzelt. Gehirnwissenschaftler an der Hochschulhochschule London haben das Kleinhirn als den Teil des Gehirns ausgemacht, das uns am Selbstkitzeln hindert. Das Kleinhirn ist die Region, die an der Unterseite des Gehirns gelegen ist und unsere Bewegungen überwacht. Es kann erwartete Empfindungen von unerwarteten Empfindungen unterscheiden. Eine erwartete Empfindung würde die Druckempfindung sein, den ihre Finger an Ihrer Tastatur beim Schreiben hervorrufen. Eine unerwartete Empfindung würde jemand hervorrufen, der ihnen von oben hinten auf die Schulter klopft. Während das Gehirn die Empfindung des Schreibens verwirft, beachtet es denjenigen der ihnen auf die Schulter klopft sehr wohl. Der Unterschied bezüglich der Reaktionen von Erwartetem zu Unerwartetem ist eine eingebaute Antwort, die sich vermutlich in der frühen menschlichen Geschichte entwickelte, um Fleischfresser zu ermitteln." (sinngemäß übersetzt aus dem engl.)
Bild der Wissenschaft, Newsletter vom 15.9.2000 weiß dazu:
Die Neurologin Sarah-Jayne Blakmore vom University College London untersuchte die Hirnreaktion von Freiwilligen, die sich erst von einer Maschine die Handflächen kitzeln ließen und sich danach selber zu kitzeln versuchten. Blakmore fand heraus, dass sich der Kitzelreiz nicht unterdrücken lässt, wenn ein Fremder kitzelt - selbst wenn es die Person vorher weiß. Kitzelten sich die Testpersonen jedoch selbst, unterdrückte das Kleinhirn die Empfindungen. Dieser Mechanismus ist laut Blakmore wahrscheinlich im Laufe der Evolution entstanden: Das Gehirn lernte zwischen äußeren Reizen und von uns selbst beigebrachten Reizen zu unterscheiden und die unwichtigen auszufiltern.
Wer jetzt glaubt, sich selber kitzeln wäre nicht möglich, der täuscht sich dennoch, denn es geht sehr wohl...

In der Online-Ausgabe des Tagesspiegels steht folgendes interessantes:

"Das Kleinhirn verdirbt den Spaß, indem es die Kitzelbewegungen voraussagt und an den Rest des Gehirns das Signal sendet, die dadurch ausgelösten Empfindungen zu ignorieren." Dies sei vermutlich evolutionsbiologisch begründet: Aus der Flut von Reizen müsse das Gehirn die wirklich wichtigen aussortieren. "Kitzeln durch Fremdeinwirkung" habe dabei für das Gehirn offenbar eine höhere Priorität als Selbstkitzeln.

Menschen, die an Schizophrenie leiden und nicht mehr richtig zwischen sich und der Außenwelt unterscheiden können, verlieren diese Fähigkeit bezeichnenderweise: Sie sind die Einzigen, die sich selbst kitzeln können."

...Nun gut, hilft dem Nicht-Schizophrenen irgendwie noch nicht richtig weiter... aber jetzt...

Es gibt noch einen weiteren Trick, der in verschiedenen Quellen, unter anderem findet man Erläuterungen dazu bei:

"Obgleich wir nicht und eigentlich nicht selber kitzeln können, gibt es eine Weise, das Gehirn zu betrügen, und zwar indem man einen Kitzelroboter verwendet. Die gleichen britischen Wissenschaftler, die oben erwähnt wurden, haben eine Maschine entworfen, die Sie durch Druck auf Fernbedienung kitzelt. Um die Maschine zu benutzen, liegt eine Person mit geschlossenen Augen auf dem Rücken. Der Roboter befindet sich nahe der Person und hat ein Stück weiches Schaumgummi an einer Plastikstange angebracht, die durch einen Fernbedienungsteuerknüppel gesteuert wird. Wenn die Person die Stange aktiviert, reagiert der Roboter nach einer kurzen Verzögerung. (sinngemäß übersetzt aus dem engl.)
Durch diese kleine, 200-Millisekunden lange Verzögerung zwischen ihrer Hand und dem Kitzeln, können Sie Ihr Kleinhirn täuschen.  "Also ist es möglich sich selbst zu kitzeln, allerdings nur wenn, man einen Roboter benutzt," erklärte Blakmore."

 

Natürlich gibt es auch Fachliteratur zum Thema für die ganz belesenen unter uns. Wir haben es zwar noch nicht gelesen, aber vielleicht findet sich dort die ultimative Lösung:

Why Can't You Tickle Yourself?: And Other Bodily Curiosities 
Author: Johnson, Ingrid
Price: $11.69 
Release Date 9/1/1993, Pages 132
Warner Books, ISBN 0446393959 

Und nicht zuletzt gibt es tatsächlich auch eine Seite namens www.Kitzeln.de , auf der man sich Fotos, Videos und sonst noch allerhand Kram zum Thema "Kitzeln" (leider nicht zum Thema Selbstkitzeln) anschauen kann.