Warum haben immer alle anderen angeblich für die anstehende Prüfung noch gar nicht oder kaum gelernt?

Wohl jedem sind aus seiner Schul- oder Studentenzeit all die Unwissenden nur allzu vertraut, die nie lernen, immer völlig unvorbereitet in die Prüfung gehen und nachher - mit der "1" in der Hand - mit gleichermaßen überraschter wie gekünstelter Miene wie von der Tarantel gestochen rumhüpfend - Sachen von sich geben wie: "Ne Eins, ne Eins!", "Das hätte ich nie gedacht!" oder "Das kann nicht wahr sein!". Kurz vor der Klausur hörte sich das hingegen ganz anders an: "Das konnte ich überhaupt nicht" oder "Das ist bestimmt ´ne 5", "Was hast DU bei Frage 3? Ich weiß´ gar nicht mehr genau, ich war so nervös!" Man selbst hingegen hat natürlich Monate lang gelernt und trotzdem wieder nur eine "4" (oder schlechteres!)  und wird genötigt ernsthaft seine Lernmethoden zu hinterfragen.

Blablabla... aber mal ehrlich... wer hat sie nicht gehasst und wer hat es nicht selbst gemacht... "Nöööö, hab auch noch nicht gelernt!", "Hab´ mir das nur kurz durchgelesen..." Blablabla... Ja sind wir den alles Deppen? Ja lernt denn keiner außer mir?

Blackfish meint:
Naja, aus irgendeinem Grund ist nicht lernen in unserer Gesellschaft cool, und jeder sagt er hat nicht gelernt um dann als intelligenter da zu stehen und ohne zu lernen eine 2 zu haben. In meinem Fall ist es meist so, das ich nie lerne weil ich zu faul bin und währe gerne ein Streber, was solls.
Murkel meint:
Der Expertenrat ist doch Schwachsinn, sorry. Mit irgendwelchen Prozeduren im Unterbewusstsein hat das echt nichts zu tun.. meine Meinung. Klar ist, und das ist seit eh und je so, dass Streber schon in der Grundschule und später noch in der Oberschule die Gelackmeierten sind. Es fängt so an, dass (oftmals) die Klassentrottel sagen, dass die Streber scheiße sind. Hier spielt sicherlich neid eine Rolle. Klar, wer will nicht von der Lehrerin gelobt werden und gute Noten schreiben, damit die Eltern stolz sind. Nun wollen die meisten in der Klasse wie die Klassentrottel sein. Klar, die sind besser im Sport, haben schon eine Freundin, stehen sowieso irgendwie mehr im Leben. Das hat aber meistens den Grund, dass die Trottel Sitzenbleiber sind oder sich einfach nicht um die Schule scheren und eben so mehr Zeit für Lebensrelevantere Dinge haben. Durch neid und Mitläuferzwang wachsen wir also alle mit dem Gedanken auf: Streber sind scheiße. In der Oberschule ändert sich vielleicht das Blatt. Jetzt kommt es auf etwas an, nämlich auf den Abschluss. Irgendwie lernt da jeder, so gut er eben kann, aber irgendwie will es keiner zugeben. Streben ist halt scheiße. Nennen wir es doch einfach so, wie es ist, ohne dabei Hormone hinzuzuziehen. Lernen ist OUT. Und sich mit etwas zu brüsten, was OUT ist, darauf hat keiner Bock. Eigentlich macht es jeder.. aber keiner würde es öffentlich sagen, oder gar damit protzen. Außerdem, wenn man jemand noch kurz vor der Arbeit anspricht und fragt: "hast du gelernt?", dann ist das heutzutage eher eine rhetorische Frage, wie z.B. "wie geht's?", und man sollte keine ehrliche Antwort erwarten.
luca meint:
Ich hab schon mal auf beiden Seiten gestanden. Meine Antwort ist aus Erfahrung die folgende: Wenn man auf eine Prüfung zu sehr lernt dann überlernt man. Das heißt, man lernt viel zu viel und kann dann an der Prüfung Sachen vertauschen (Habe mal das und dass nach dem Komma perfekt gekonnt, jedoch die dazugehörende Regel nicht gekannt. Nachdem ich diese lernen musste machte ich dabei so viele Fehler dass ich die Regel schleunigst wieder vergaß...) Andersrum ist es so, dass man, wenn man sich der Sache Sicher ist viel lockerer (gleich weniger Stresshormone!!!) das Lernen angeht und somit das Gehirn die Informationen besser speichert.
Beagel meint:
Weil sie Eindruck schinden wollen. Angeblich nicht gelernt und trotzdem gut abgeschnitten... Mit Strebertum hingegen gewinnt man keine Freunde.
FoA weiß dazu:
Wir fühlen uns zwar diesbezüglich nicht direkt als Experten, glauben aber doch einige Theorien zum Besten geben zu können, warum angeblich (aaaaangeblich!) keiner gelernt hat, wenn man ihn fragt. Unserer Meinung nach handelt es sich hier um einen multifaktorielle Ursachen - von knallhart geschäftsmännisch kalkulierend bis krankhaft labil neurotisch. Zunächst besteht die Chance durch die Täuschung der anderen bei gleicher eigener Leistung eine bessere Note zu erhaschen, da diese natürlich meinen auch nicht lernen zu müssen, schlechtere Klausuren schreiben und dadurch im Vergleich (man spricht auch von sozialer Bezugsnorm) die eigen Leistung besser da steht. Sehr klug! Zum anderen täuscht man sich natürlich in gewissem Maße auch selbst, was ebenfalls positive Effekte nach sich zieht - im günstigsten Fall, motiviert man sich noch mehr und weiter zu lernen, da man ja noch "fast" gar nichts getan hat. In jedem Fall erhebt man das Ergebnis der Klausur aber zu einem Triumph seiner Anstrengungen und des Selbstschutzes. Ist sie schlecht, hat man ja kaum gelernt und deshalb auch nicht direkt versagt - mit mehr lernen wäre es natürlich ein leichtes gewesen zu brillieren, aber was zählen schon derart abstrakte Noten für den wahren Menschen. Fällt die Arbeit hingegen gut aus, muss eine eine interne Zwischenfrage an sich selbst gestellt werden. Hat man wirklich nicht gelernt (?), oder hat man eigentlich doch viel gelernt (?), aber war einer dieser Heuchler die die Hand auf die bereits geschrieben Seiten legen, oder das Etui, um den Nachbarn ganz "indirekt" zu zeigen, dass man selbst besser ist und keineswegs bereit ist auch nur einen Krümel von der Sahnetorte der eigenen Intelligenz ab- oder preiszugeben. Hat man wirklich auch nur ansatzweise so wenig gelernt, wie man geprahlt hat - und ist damit der wahrscheinlich einzige (Depp!) - hat man entweder ein horrendes Maß an Glück gehabt (was die Regel ist, aber nicht dazu verleiten sollte, das "nicht-Lernen" zur Regel zu machen!) oder aber man ist einfach geil genial (was unseres Wissens sehr selten ist!).