Warum stehe ich immer in der falschen Schlange?

beagel meint:
Also diese Antwort liegt ausschließlich in der fragenden Person begründet. Mir passiert das meist nicht. Trotzdem ein Lösungsversuch: Unkonzentrierten Menschen fällt diese Begebenheit auf, wenn sie passiert. Wenn so eine Person aber in der richtigen Schlange steht, denkt sie nicht dran. Ergo: Solche Leute merken sich nur die Negativ-Erfahrungen und kommen daher zu solch einem Eindruck. Genau andersherum ist es beim Horoskop. Man merkt sich Passendes, Unpassendes wird eher vergessen. Wenn also drinstand, daß sich "was in der Liebe tut", aber der Tag nicht einmal einen Flirt hergab, fällt das kaum nachträglich auf. Wenn man zufällig aber die große Liebe trifft, erinnert man sich später an das Horoskop und ist verblüfft.
Andreas Peter meint:
Das ist die selbe Situation wie im Stau. Man denkt die andere Spur geht schneller. Aber es ist ein visueller Fehler. Man hat nur das Gefühl die andere Spur kommt schneller voran, weil man die überholenden Fahrzeuge länger bewusst im Blickfeld hat als die die man selber überholt.
Der WDR hat sich in seinem Wissenschaftsmagazin "Quarks" mit diesem Phänomen beschäftigt und dazu die Technische Universität Clausthal, Institut für Mathematik, befragt. Dort befasst man sich mit Warteschlangen in bestimmten Arbeitsprozessen. Prof. Dr. Thomas Hanschke und seine Arbeitsgruppe gehen anhand so genannter stochastischer Modelle der Warteschlangentheorie nach und können in groß angelegten Simulationsprogrammen Warteschlangen berechnen: "Was für industrielle Prozesse gilt, das gilt auch im Supermarkt: Warteschlangen entstehen, wenn der Andrang unregelmäßig ist. Wenn es in diesem System einen gleichmäßigen Kundenstrom gibt und die Kasse normal ausgelastet ist, funktioniert das System gut. Doch die Kunden verhalten sich anders. Sie sorgen für Unregelmäßigkeiten: Eine Zeit lang kommt keiner, und dann ist es auf einmal ein Pulk. Der eine hat wenig im Korb, der andere viel. Der mit den drei Artikeln will mit Karte bezahlen... und und und. Mathematisch ausgedrückt: Je höher solche Unregelmäßigkeiten, desto länger die Wartezeit. Wer dann in der Schlange steht, hat oft das Gefühl, dass es nebenan schneller geht. Das liegt daran, dass das Wartesystem - vereinfacht gesagt - ungerecht ist: Jemand, der sich an eine vermeintlich kürzere Schlange anstellt, kann das Pech haben, länger warten zu müssen. Denn in der Schlange sind viele Faktoren versteckt, die für das Abarbeiten wichtig sind: Der eine Kunde hat den Wagen randvoll, der andere Kunde zahlt mit EC-Karte, wiederum ein Kunde lädt besonders langsam aufs Transportband und ein weiterer Kunde hat vergessen, die Tomaten zu wiegen. Dass die Schlange kurz ist, muss also nicht ausschlaggebend sein. Aber man ist enttäuscht, wenn das Anstellen an der kürzeren Schlange nicht funktioniert hat - deshalb das Gefühl, immer in der falschen Schlange zu stehen."
foa.de - Team meint:

Es gibt ein Wartesystem, das die Unregelmäßigkeit im Kundenstrom kompensiert:

 

Wer zuerst da war, kommt auch zuerst dran. 

 

Dieses System gibt es schon: Es nennt sich "das amerikanische Wartesystem" und man findet es häufig an Flughäfen und immer mehr auch bei Banken und der Deutschen Post. Typisches Kennzeichen: Es gibt nur eine Warteschlange, die in mehreren Schaltern aufgeht. Erscheinen viele Kunden gleichzeitig, werden sie gleichmäßig auf alle Schalter verteilt. Unregelmäßigkeiten werden vom System aufgefangen. (Zitiert von der Webseite von Quarks&Co)

Eine andere Möglichkeit beschreibt die schon zitierte Judith Halverscheid

 

"...Aber ich habe die Lösung - klappt zumindest im Supermarkt. Da stelle ich mich einfach nicht an, sondern mache meine eigene Schlange auf. An einer unbesetzten Kasse (es sind nie alle Kassen besetzt). Dann stellen sich hinter mir Leute an und irgendwann sind wir eine so imposante Schlange, dass die Kassiererin einfach diese Kasse öffnen muss. Dann stehe ich ganz vorne."  (Zitiert aus "Warum stehe ich immer in der falschen Schlange" von Judith Halverscheid, S.8)

 

Markus Hogreve aus Erding formuliert auf der Webseite des Stern 10 Gebote, um dem Problem zu entgehen, bzw. sich an der Vermeidung aktiv zu beteiligen: (folgendes ist zitiert)

  1. Der Weg zur Kasse, sollte wenn möglich nicht über die "Hauptstraße" erfolgen.
    Suchen Sie sich einen alternativen Weg, der nicht so stark frequentiert wird.
    Man entgeht dadurch oftmals einer größeren Versuchung noch etwas zu kaufen, was man gar nicht will. ( die Kaufhäuser wissen schon, wo sie Fallen einbauen!!!)

  2. Sobald man sich im Kassenbereich befindet, sollte man sich neuorientieren, sprich eine wenig besuchte Kasse auswählen, an der sich auch wenig Waren stapeln. Solche Kassen befinden sich immer an den Seiten, oder im hinteren Bereich der Kassenarea.
    => die meisten Nebengänge führen zu diesen Kassen.

  3. Außerdem sollte man beachten, welche Kassierer einen flotten Zahn drauf haben.
    Wenn man in dem Kaufhaus jedes Wochenende einkauft, bekommt man langsam ein gutes Gespür für die Gesichter und deren Leistung.

  4. Beim Obstkauf, sollte man drauf achten, dass man nicht das Wiegen, wenn benötigt, vergisst. Das kostet Zeit.

  5. Der an vielen Waren vorhandene EAN- Streifen sollte ohne Schäden sein, weil das mühselige manuelle eintippen wertvolle Sekunden kostet. In dummen Fällen steht der EAN - Code nicht in Zahlen dabei.=> Anruf bei der Kassenaufsicht zur Preisfindung durch Kassierer ( dauert besonders lang bei Waren, die nicht häufig gekauft werden, da der Preisdienst oft gerufen werden muss)

  6. Legen sie die Waren nicht einfach auf einen Haufen, sonst muss der Kassierer unter statischer Vorsicht, den Berg langsam zerlegen.

  7. Wenn sie mit EC-Karte zahlen, sollten sie sich umschauen, ob sich nicht eine spezielle Kasse NUR für EC Kunden vorhanden ist. Manchmal gibt es auch Kassen speziell für kleine Einkäufe.

  8. Sollten sie ganze Milchpaletten kaufen, legen sie nur eine Tüte auf das Band. Das erspart Rückenschmerzen und dem Kassierer die Mühe den ganzen Karton herumzuschieben. Außerdem können sie bei einem Großeinkauf über mehr platz für weitere waren verfügen, ohne ständig nachlegen zu müssen.(das gilt allgemein für gleiche Waren mit gleichen EAN, z.B Joghurt, Getränkedosen etc.)

  9. Vermeiden sie angetrunkene Dosen oder dergleichen --> gibt öfters eine Sauerei an der Kasse, weil es der Kassierer es manchmal zu spät erkennt. Sollten sie dennoch mal eine offene Dose oder eine andere Ware, bei der Vorsicht geboten ist auf das Band legen, machen sie den Kassierer drauf aufmerksam.(z.B Mostwein)

  10. Wenn sie öfters die gleichen Getränkekästen oder auch Obst, dass nicht gewogen werden muss, kaufen, sollten sie sich die Mühe machen, sich die PLU Nummern zu merken.
    ( PLU Nummern, werden speziell für bestimmte Waren vergeben, die durch Eintippen, den Preis erscheinen lassen. Er ist für die Kunden nicht ersichtlich. Fragen sie den Kassierer danach, wenn diese PLU´s selten geläufig sind)